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"Bloggen ist eine Kulturtechnik"

Donnerstag, 12. Juli 2018

Bergsport ist Motorsport

Der ursprüngliche Plan war, dass der Verf. als Wasserträger bei der bekannten Spaghetti-Runde mithilft und so zumindest ein bisschen auf den Spuren des GRÖBSTJ (größter Bergführer St. Jodoks) wandeln darf.
Gesagt - getan und so waren wir im Nu, sprich rund 300km und 6,5h Autostunden später, in Zermatt und somit bei des Herrn Bergführers Gästen. Auch die Durchsage "Skibetrieb wegen Wind und Gewittergefahr einigstellt", ließ uns nicht davon abhalten etliche Franken über den Schalter zu schieben, um eine gute halbe Stunde später am Kleinmatterhorn festzustellen, dass Schweizer nicht übertreiben.
Gebucht ist gebucht und deswegen startete der Herr Bergführer  - den Elementen trotzend -mit seinem Gespann los, um alsbald den ersten Gipfel gleich mal zu streichen, da er sich und ev. auch  seinen Anvertrauten auch das nachmittägliche Gewitter gerne ersparen würde. Diese Entscheidung war goldrichtig (Vertrauen auf Profis - Achtung Werbung), denn nur drei Minuten nach der Ankunft auf der Ayas-Hütte öffnete der Himmel seien Schleusen...
Traumpanorma am Breithorn: Pollux, Castor, Signalkuppe und Monte Rosa
Die dort ansässige (reine Männer-) Hüttenmannschaft hatte den Kampf gegen die Technik offenbar schon gewonnen, denn auf der Hütte war das www allgegenwärtig und so wurden wir von den Gästen über das Habitat des Homo Monacos bestens aufgeklärt.
Das Wetter am nächsten Tag war ähnlich eindrucksvoll wie der schwindende körperliche Zustand unserer zahlenden Begleiter, sodass dem bewappleten Leiter der ganzen Sause, dieselbige abbrach: der Rückweg war ein einziger Hillary Step - der Everest ist schließlich überall..
konspirative Sitzung...
 Im Tal angekommen begaben sich die Gäste zurück in ihr bevorzugtes Refugium, dem Zermatter Hof, während Bergführer und (Edel-) Domestik sich für den Katzensprung nach Hause und damit zurück nach Europa entschieden.
..hauptssache die Frisur hält - 3-Wetter Taft halt.
Nachdem die Runde eigentlich fünf und nicht nur zwei Tage dauert und wir erst 13 Autostunden im Allerwertesten hatten, sowie die allerbeste Frau der Welt - nämlich meine - vorschlug wir sollten doch die freie Zeit doch etwas sinnvoller nutzen. Gesagt - getan - Dolos wir kommen :o)

Also wieder rein in die Macchina, nochmals rund 260km auf den Tacho buchen und Grödner Joch, here we are! Da der Bergführer Alpinist alter Schule ist und Spit* außerhalb vom Klettergarten Teufelswerk sind, mussten klassische Linien mit Nägel** her. Andererseits war der Verf. heuer noch nie im Alpinen unterwegs und ist zudem ein Hosenscheißer par excellence, was die Routenauswahl schon wieder massiv einschränkte. Schließlich konnte man sich auf die Ziglauer am Brunecker Turm einigen. Nach anfängli9chen Schwierigkeiten den richtigen Klapfen überhaupt zu identifizieren und den richtigen Einstieg zu finden, warteten 13 Seillängen vom Feinsten auf uns, wo der Fels - selbst für Dolomitenverhältnisse - einfach nur sensationell war. In der zweiten Länge startet die Variante Würtele, welche mittels der Variante Janovsky wieder zurück auf die Originalführe führt (zur Rettung der Ehre: wie ein Stand bewies, war der Verf. nicht der Erste hier) und dann immer dem logischen Routenverlauf nach, bis man am Hochplateau und somit kurz vorm. Gipfelbier auf der Pisciadu-Hütte (bei uns leider ausgefallen, da Soldi in der Macchina) aufschlägt.
Dolomitenbruch
Am nächsten Tag starten wir zur Adang am Sas Campiac und durften gleich mal erfahren, was unter "America first" gemeint ist. Die kletterten gleich mal in die Rue de la Gag und wir fröhlich hinterher, da uns noch zwei Visegrad-Seilschaften auf den Pelz rückten. die amerikanische Freundschaft wurde dann noch etwas getrübt, da sich herausstellte, dass die beiden zwar absolute Greenhorns in Bezug auf alpines Gelände waren, dies aber ihr Selbstvertrauen keineswegs erodieren lies, sondern im Gegenteil und so folgten sie uns keineswegs kleinlaut. Zum Glück erreichten wir einen Stand der Spit-Route  - wie sich später herausstellen sollte - mit dem passenden Namen "Rien va Plus" und nach einem Abseilmnöver gelangten wir in die Normalroute zurück, welche wirklich mit ausgezeichneten Fels  - wie im Führer versprochen - aufwartete.
zwei hartgesottene Südwandgesichter
Bilanz: insgesamt 20h Autofahrt mit lediglich 850 gefahrenen Kilometern, zwei Tage Gletscherstiefelei im Sauwetter, dafür wenigstens viele Franken weniger, aber immerhin fast 30 wirklich schöne Dolomiten-Seillängen im Gepäck und freudig erwrtende Mädels zu Hause
..but our girls just wann have fun :o)

*sidtirolerisch für Bohrhaken
** sidtirolerisch für Schlaghaggl

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