AKTUELL

"Bloggen ist eine Kulturtechnik"

Samstag, 16. März 2013

Gedanken zur Verkursung des Vereines


Es stimmt mich nachdenklich, dass wir als Akademischer Alpiner Verein in derart regelmäßiger Manier externe Bergführer zu Ausbildungszwecken beschäftigen. Ich finde, dass hier ein Expertentum erzeugt und akzeptiert wird, das ich in dieser Art nicht uneingeschränkt gutheiße. Es ist meiner Meinung nach eine bedenkliche Entwicklung, dass Haftungsfragen und Ähnliches eine zunehmende Angst vor eigenständigem Problemlösen erzeugen. Gerade im alpinen Bereich ist meines Erachtens die gegenwärtige Tendenz in Richtung Verrechtlichung und Reglementierung weiter Bereiche unseres Lebens mit Vorsicht zu genießen. Artikel 1 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bezeichnet uns als vernunftbegabte Menschen. Als solche sollten wir durchaus in der Lage sein, uns selbstständig alpine Kulturtechniken anzueignen, forschend zu lernen und die erlangten Fertigkeiten im Verein weiter zu geben.
Ich habe den Verein bislang immer als eine Gruppe von Dilettanten im besten Sinne des Wortes erlebt, also von Menschen die die Dinge aus Freude und um Ihrer selbst Willen tun, dabei aber nichts desto trotz einen hohen Fertigkeitsgrad erreicht haben. Für mich war der Verein auch immer ein lebendiger Ort des Wissensaustausches. Beispielsweise sind mir Ossis physikalische Grundlagenvorlesung zur Funktion des Lawinenpieps, unsere langjährige Diskussion über die Schneelast auf unserem Dach in der Fotsch oder auch der Versuch trotz beträchtlichem Alkoholgenusses festzustellen wo genau denn die Sonne um Mitternacht steht, in positiver Erinnerung. Ich finde das Selbstverständnis der Vereinsmitglieder als „Experten für eigentlich eh alles“ etwas Wertvolles. In diesem Sinne wäre es schön, wenn wir uns weiterhin gegenseitig Dinge beibrächten, zumal das Knowhow dazu im Verein absolut vorhanden ist. Ich finde die Idee eines gemeinsamen Kletterwochenendes ausgezeichnet. Es geht mir mehr um die Symbolik, wenn ich anregen möchte Vereinsaktivitäten auch weiterhin ohne externe Bergführer abzuhalten.

Helli M.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Volle Zustimmung!!

mru hat gesagt…

Ja und nein. Als „Alt-Obmann“ möchte ich zu diesem Posting Stellung nehmen und ein paar Gedanken ausformulieren…

Bei den genannten Veranstaltungen handelt es sich also nicht um gemeinsame Kletter-, Schitouren- oder Bergsteigerwochenenden, sondern es sind Wochenenden bei denen gezielt div. Themen und Techniken vermittelt werden. Es gab in den letzten 2 Jahren drei solche Veranstaltungen, die ich auch alle selbst besucht habe und ich bin sehr froh, dass sie auch stattgefunden haben (zwei Lawinenkurse und ein Spaltenbergungskurs; Downhill-Fahrsicherheitstrainings habe ich hier nicht mitgezählt).

Für mich haben diese Veranstaltungen gezeigt, dass auch für erfahrene Berggeher und Alpinisten immer wieder interessante Aspekte und Aha-Erlebnisse dabei waren. Deshalb finde ich die Auseinandersetzung mit den Themen wie Sicherungs- und Rettungstechniken interessant und wichtig; vielleicht auch als gute Ausgangspunkte für das autodidaktische forschen. Das gegenseitige Voneinanderlernen, wie es im Verein gepflegt wird, soll und kann dadurch nicht ersetzt werden. Vielleicht kann jedoch die Qualität des gegenseitigen Lernens damit verbessert werden.

Das Wissen der erfahrenen Alpinisten kommt, so wie ich meine, nicht immer nur ausschließlich aus autodidaktischem Handeln, sondern wird ja auch externes Wissen durch private Kontakte zu Bergführern (vielleicht auch geheim gehaltene Kontakte ;-)), aus Fachzeitschriften oder Internet konsumiert. Es gibt einige im Verein, die diverse Kurse wie z.B. Jugendführerkurse beim Alpenverein belegt haben und auch deshalb vielleicht weniger Bedarf an solchen „Fortbildungen“ haben. Ich denke jedoch, dass es genug Leute im Verein gibt, die gerne zusätzlich zum angesprochenen „Learning by Doing“ sich mit Neuerungen z.B. bei Sicherungstechniken auseinandersetzen wollen. Es ist für mich Lernen unter Anleitung ein effizienter Weg, sich mit speziellen Themen zu befassen und diese zu erlernen.

Meiner Meinung nach ist der Verein auch der richtige Ort, um solche Veranstaltungen zu organisieren. Bisher hatten diese den Verein auch belebt. Über die zukünftige Regelmäßigkeit, Form und Inhalte solcher Veranstaltungen kann man sicherlich diskutieren… und natürlich sollen sie die eigentliche Ausübung der jeweiligen Bergsportarten nicht ersetzen… :-)

Anna hat gesagt…

Lieber Anonym!Warum muss deine Zustimmung anonym erfolgen?

andreaf hat gesagt…

Lieber Helli,
Bei allem Respekt und Anerkennung Deiner Meinung und Deines Engagements: Ich finde es besser vereinsinterne Angelegenheiten persönlich beim Vereinsabend oder bei der VV zu diskutieren. Das Internet erscheint mir nicht als das dafür am besten geeignete Medium.
Mit besten Grüßen, Andrea

Helli hat gesagt…

Liebe Andrea,

Mein Text ist als Gedankenantstoß gedacht, und ich finde, dass das Internet für soetwas absolut der richtige Ort ist. (siehe die ausführliche Reaktion von Martin Rutzinger) Ich bin gerne bereit meine Meinung auch persönlich mit Dir zu diskutieren.

lG
Helli

kurator hat gesagt…

..und mich stimmt bedenklich, dass der Helli in der Vergangeheit schreibt - hab ich das zu-Grabe-Tragen des Vereins und v.a. den anschließenden Leichenschmaus etwa wirklich versäumt?
ja, früher war alles besser, nur wer selbst einen Bergführer bucht der ihm einen Kurs im "Radl-abi-Fahn"(!) gibt, sollte vielleicht nicht gar so im Internet gegen diese modernen Zeiten wettern...
Falls es dazu aber andere Meinungen gibt, scheuen Sie sich nicht diese mir beim Vereinsabend mitzuteilen ;D

kleine akademische Frage zum Schluß: ist die Verteufelung der Zuhilfenahme von Professionisten für Ausbildungszwecke nicht ein grundlegender Widerspruch zum Businessplan des Lehrers?

"Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust!" (Goethes Faust oder doch der Helli nach seinem Blog-Eintrag?)

mru hat gesagt…

Ich hätte noch eine Kursanregung für den Herbst: Vereinsjacken zum Selbernähen

http://www.aha-mode.ch/pdf/Kursprospekte/kurs-softshelljacken-naehen.pdf

:-)))

vip$ hat gesagt…

Gerade in meiner Position setz ich mich in die Nesseln eines Fettnäpfchens, aber ich bin darin ja ziemlich geübt!

Also grundsätzlich wohnen in dieser causa auch zwei seelen in meiner brust - und das hat nichts mit brotneid zu tun, beileibe nicht!!!

Zur ersten: Es ist wirklich begrüßenswert, dass bergführer engagiert werden und ihnen damit eine wohlverdiente verdienstmöglichkeit vor allem in monitärer hinsicht geboten wird.

Zur zweiten seele: Ich finde es geradezu beschämend für unseren verein, dass wir uns auf ein solches niveau begeben und uns unserer alpinen kompetenz selbst berauben. ich stimme helli voll und ganz zu in seinem post zu und bin froh, dass er so auf den punkt gebracht hat. ich finde, wir haben so etwas echt nicht notwendig. bei einem lawinen-update (vielleicht alle paar jahre) ist ja nichts einzuwenden oder auch in einem spezialfall eine kleine professionelle hilfe anzunehmen(habe ich auch schon vereinsintern 1991 mitgemacht). aber so grundsätzliche alpine fertigkeiten als mitglied des aavi in kursform wie sie für alpine nackerbatzln angeboten wird (vielleicht mit begrüßungsdrunk und vorstellungsrunde; im land des roten weines - ja, da muss man ja buchen - schööön) regelmäßig zu buchen ist für uns wohl beschämend. ich würde einen lachanfall bekommen, wenn die karwendler, gipfelstürmer, hg fuirstoaner der matreier einen alpinkletterkurs buchen täten. bei uns bekomme ich leider keinen lachanfall, sondern frage mich vielmehr wie weit unten in unserer alpinkompetenz sind wir denn angelangt? bislang haben gerade unsere blogeinträge aus der mischung von alpinismus (in allen facetten, incl. rad) und selbstironie auch außerhalb des vereines anerkennung gefunden. aber mit so einer gebuchten kurselei ist sowohl ersteres als auch zweiteres in frage gestellt. sind wir echt nicht in der lage - wenn schon bedarf besteht - solche grundlegenden kursinhalte selbst zu vermitteln und zu organisieren, wo wir doch wohl in allen bereichen das know-how in unserem verein vertreten haben?? müssen wir tatsächlich zum alpinem-ruefa-neckermann-verein innsbrucks mutieren?

Und zum dritten: Jawohl, ich finde die diskussion genau hier am blog richtig plaziert. Hier kann und soll jeder seine meinung vertreten können. Fein wäre, dass man bei so ernsten dingen dazu dann auch seinen namen nennt.

Ich hoffe mein nessel-ausschlag heilt im laufe der zeit wieder ab, den ich mir heute im fettnäpfchen-bad eingehandelt habe.

Mit alpinem gruß vip$ - alias hubert (LdBSSSJ)

Anwalt hat gesagt…

ich bin da voll und ganz bei unserem LdBSSSJ. Professionelle Ausbildungskurse zum erfahrenen Bergsteiger sind mir ein Greuel und widersprechen meinem Bezug zur Sache in ihren Grundzügen.

Freu(n)d hat gesagt…

Wobei gegen professionelle Hilfe an sich nichts einzuwenden ist, gerade in Zeiten wie diesen,...

Matti hat gesagt…

ich finde helli stellt interessante überlegungen an. wir können das auch, uns gegenseitig was beibringen: wir treffen uns irgendwo, nehmen ein buch und bier mit und dann probieren wir die abb. im buch nachzustellen. wir sicher lustig.

kurator hat gesagt…

@ FM: learning by falling sozusagen ;D

Anonym hat gesagt…

Und die Verantwortlichen schweigen jetzt?

Anonym hat gesagt…

ARNVI - auch nicht übel!!!

Verfasser hat gesagt…

...da müssten wir zuerst einmal die Verantwortunsfrage klären.

Mitglied? hat gesagt…

Was ist RN?

Anonym hat gesagt…

Diese oberflächlichkeiten unserer mitglieder!!!!....aber kurse buchen!!!!!

Bitte im vip$-kommentar nachlesen:
akademischer - Ruefa - Neckermann - verein - innsbruck

Gast? hat gesagt…

Jetzt wissen wir zumindest wo vip$ seine Urlaube bucht.